Heimat im Weinglanz

Wer, wie ich, in Freiburg aufgewachsen und als kleiner Junge in einen Kessel badischen Weins gefallen ist, der kann vermutlich gar nicht anders, als dunkle, nach Harz duftende Spazierwege und die hallallalluzinogene Wirkung eines guten Weißburgunders höheren Mächten zuzuschreiben - oder zumindest an den Weingeist zu glauben, der durch Kellermeisters Künste zu besänftigen sei.

Freiburg - alt wie die Zauberkunst
Schon 1008 wird der heutige Stadtteil Wiehre erstmals erwähnt, etwa zu der Zeit, in der auch die Merseburger Zaubersprüche aufgeschrieben werden. 1091 bauten die Zähringer eine kleine Burg auf dem heute entsprechend benannten "Schlossberg". Die Stadtrechte besitzt Freiburg inzwischen seit fast 900 Jahren.

Schon früh zeigten sich die Freiburger rebellisch: 1368 kauften sie sich von ihrem Grafen für 20.000 Mark frei und unterstellten sich den Habsburgern. Die Zugehörigkeit zu Habsburg endete erst 1805, als Napoleon verfügte, dass die Stadt ab sofort zum Großherzogtum Baden gehöre (was der Wiener Kongress 1815 bestätigte). Ihre Freiheitsliebe zeigten sie dann bei der badischen Revolution 1848 wieder - verewigt unter anderem in dem wunderbaren Roman "Lenz oder die Freiheit" von Stefan Heym.

Leckeres Zaubern
Habsburgerische und französische Einflüsse sind mitverantwortlich für den Freiheitsdrang und die Küchenkünste der Breisgauer. Badische Mehlspeisen stehen den Wienern in nichts nach. Dazu die französische Genussfähigkeit und die eigene Esskultur - begünstigt durch den guten Nährboden für Wein und edles Gemüse sowie die wildreichen Wälder des Schwarzwaldes.

Kaum ein Dorflokal, in dem Gäste nicht exzellent verköstigt würden. Wer gut essen und trinken will, der wird rund um Freiburg bestens versorgt.

Auch wenn ich seit einigen Jahren in Köln lebe, dort auch pudelwohl fühle und das großartige Kunst- und Kulturleben der Stadt über alles schätze: Meine unheimliche Liebe bleibt Freiburg, die Perle in badischem Land - auch wegen der Zaubertränke und der guten Hexenküche.

Perle Freiburg

Freiburg ist die südlichste, vor allem aber sonnigste Großstadt Deutschlands. Vielleicht sogar die schönste. Auf jeden Fall aber eine weltoffene, liberale Stadt, in der es nur von einem zu viel gibt: Mülltonnen (in fünf verschiedenen Farben).

Silber: Schauinsland

Weil mit dem Schauinsland ein echter Schwarzwaldgipfel zur Gemarkung der Stadt gehört, hat sie mit über 1.000 Metern den größten Höhenunterschied einer deutschen Stadt vorzu- weisen. Die dortigen Silbererz- minen (heute zu besichtigen) trugen erheblich zum Reichtum der Stadt bei, und erlaubten es den reichen Minenbesitzern, den Bau des Münsters zu bezahlen. Der "schönste Turm der Christenheit": erbaut aus dem Blut und Schweiß der Minenarbeiter.